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Frankreichs Verzicht auf das Pflichtpfand

Das französische Umweltministerium hat nach intensiven Verhandlungen im September beschlossen, kein nationales Pflichtpfandsystem für Plastikflaschen einzuführen. Stattdessen setzt das Land auf freiwillige, regionale Lösungen der Kommunen.

Kommunalverbände wie France Urbaine und die Association des Maires de France (AMF) begrüßen den Schritt. Sie investierten stark in die klassische Mülltrennung (Gelbe Tonne). Ein Pfandsystem würde ihnen die wertvollen Wertstoffe wie PET-Kunststoffe und Aluminium entziehen und zu massiven finanziellen Einbußen führen.

Zudem würden logistische Hürden bei der Aufstellung von Rücknahmeautomaten entstehen.

Der Konflikt mit der EU-Verpackungsverordnung (PPWR)

Experten bezweifeln, dass Frankreich ohne Pfand die strengen Vorgaben der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) erfüllen kann:

  • Das 90%-Ziel: Bis zum 1. Januar 2029 müssen alle EU-Mitgliedstaaten eine getrennte Sammelquote von 90 % (nach Gewicht) für Einweg-Plastikflaschen und Metallgetränkebehälter erreichen.
  • Die Ausnahmeregelung: Eine Befreiung von der Pfandpflicht ist nur möglich, wenn ein Land in den Jahren 2026 und 2027 nachweislich über 80 % Quote erzielt und einen klaren Umsetzungsplan für die 90 % vorlegt.
  • Frankreichs Realität: Die aktuelle Sammelquote liegt bei nur rund 58,3 %. Ein Erreichen der EU-Ziele gilt ohne Pflichtpfand als nahezu unmöglich.

Frankreichs alternative Strategie

Umweltschützer kritisieren den Verzicht scharf.
Kommunen fordern stattdessen alternative Hebel zur Reduzierung von Plastikmüll:

  • Gezielte Reduzierung von Plastikflaschen auf dem Markt.
  • Ausbau öffentlicher Trinkbrunnen und Förderung von Leitungswasser.
  • Höhere finanzielle Ausstattung der Abfallwirtschaft über die erweiterte Produzentenverantwortung (EPR-System).

Entwicklungen in anderen europäischen Ländern

1. Portugal:
Hat sein nationales Pfandsystem „Volta“ am 10. April 2026 gestartet. Es gilt für Kunststoff-, Aluminium- und Stahlbehälter bis 3 Liter mit einem Pfand von 0,10 €.

2. Vereinigtes Königreich:
Plant den synchronisierten Start für 1. Oktober 2027 mit einem einheitlichen Pfand von 20p auf PET- und Metallbehälter. Zum Start sind die Systemgebühren für Produzenten für 15 Monate auf 0p gedeckelt und steigen ab Januar 2029 (provisorisch auf 0,6p für Metall und 2,3p für PET).

3. Schweden:
Das System Returpack/Pantamera erhielt als erstes in Europa die RecyClass-Zertifizierung. Dies bestätigt die Lebensmittelsicherheit und lückenlose Rückverfolgbarkeit des recycelten PET-Kunststoffs nach EU-Standard.

Frankreichs Pfand-Verzicht ist ein riskantes Experiment für die Kreislaufwirtschaft. Statt auf finanzielle Anreize setzt das Land auf kommunale Mülltrennung und Abfallvermeidung. Ob diese Strategie ausreicht, um die strengen EU-Ziele bis 2029 ohne teure Strafzahlungen zu erreichen, bleibt die große Frage.

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