Die europäische Recyclingbranche verliert drastisch an Substanz.
Nach Daten des Verbands Plastics Recyclers Europe (PRE) hat die Industrie innerhalb von drei Jahren rund eine Million Tonnen Recyclingkapazität abgebaut. Ohne Marktstabilisierung schrumpft die industrielle Basis für die europäischen Nachhaltigkeitsziele.
Unfairer Preiswettbewerb und Importdruck
• Kostenfalle: Während die Aufbereitungskosten starr sind, sinken die Preise für fossile Neuware. Laut ICIS-Marktdaten schrumpfte der Preisabstand zwischen Neuware und recyceltem HDPE im August 2026 auf 125 Euro je Tonne (Anfang des Jahres zeitweise einen Höchstwert von 1.140 Euro je Tonne)
• Umsatzeinbruch: Sobald Neuware billiger wird, bricht der Rezyklat-Absatz ein. Die Folge war ein Branchen-Umsatzrückgang um 5,5 Prozent im Jahr 2024 und erste dauerhafte Anlagenschließungen.
• Importquote: Bereits 19 Prozent des europäischen Bedarfs an zirkulären Kunststoffen werden durch Importe aus Nicht-EU-Staaten gedeckt. Der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung fordert hier einheitliche Umweltstandards und lückenlose Nachweise.
Das Timing-Problem der PPWR
Die verbindlichen Mindestrezyklatanteile greifen erst ab 2030. Doch Investitionen in neue Anlagen müssen Recycler schon heute tätigen.
Genau hier klafft eine gefährliche Lücke:
Weil billige fossile Neuware den Markt überschwemmt, bricht der Absatz für Rezyklate aktuell ein.
Den Recycling-Unternehmen fehlen dadurch die nötigen Einnahmen und jegliche Planungssicherheit für den Ausbau. Bricht die Branche jetzt mangels Nachfrage weg, fehlen 2030 genau die Kapazitäten, die für die Erfüllung der gesetzlichen Quoten zwingend nötig wären.
Kernforderungen des bvse zur Marktstabilisierung
• Verbindliche Einsatzquoten für Rezyklate bereits vor 2030.
• Grüne öffentliche Beschaffung mit konkreten Abnahmeverpflichtungen.
• Ökomodulierung zur Schaffung finanzieller Anreize für recyclinggerechtes Produktdesign.
• Wettbewerbsfähige Energiepreise und konsequenter Bürokratieabbau.
• Stopp zusätzlicher nationaler Steuern: Der bvse fordert die Bundesregierung auf, auf die geplante nationale Plastiksteuer zu verzichten. Eine pauschale Belastung auf eingesetzten Kunststoff würde deutsche Verarbeiter und Recycler im internationalen Wettbewerb nur noch weiter benachteiligen, anstatt gezielte Lenkungseffekte zu erzielen.
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