Die geplante Plastiksteuer stößt auf wachsenden Widerstand. In einem Schreiben vom 29. Oktober 2026 an Kanzleramtschefin Nina Warken fordern 42 Wirtschaftsverbände einen Stopp des Vorhabens. Das bestätigt der Bundesverband der Systemgastronomie als Mitunterzeichner. Zu den Beteiligten gehören unter anderem BDI, DIHK, VCI, HDE, VDMA, ZVEI sowie Verbände der Kunststoff- und Entsorgungswirtschaft. Wichtig für Unternehmen: Der berichtete Zeitplan und Steuersatz sind Planungsstand, keine bereits geltende Zahlungspflicht.
Was der Entwurf zur Plastiksteuer vorsieht
Nach der dpa-Meldung vom 2. November 2026 sieht ein vorläufiger Entwurf ab Juli 2027 eine Steuer von 550 Euro je Tonne Kunststoff in Verpackungen vor. Das entspricht 0,55 Euro je Kilogramm. Die berichtete Einnahmeerwartung beträgt 805 Millionen Euro für 2027 und knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich ab 2028. Eingeführt werden sollte die Steuer über einen Änderungsantrag zum Haushaltsbegleitgesetz 2027.
Hintergrund ist der deutsche Beitrag zu den EU-Kunststoff-Eigenmitteln. Seit 2021 leisten Mitgliedstaaten einen Haushaltsbeitrag auf Basis nicht recycelter Kunststoffverpackungsabfälle. Daraus folgt jedoch keine unmittelbar von jedem Unternehmen zu zahlende EU-Steuer. Eine nationale Kunststoffverpackungssteuer braucht eigene Rechtsgrundlagen; ihre Bemessungsgrundlage ist nicht mit dem EU-Beitrag gleichzusetzen.
Warum die Wirtschaft die Steuer kritisiert
Die Verbände halten die Plastiksteuer für finanz-, wirtschafts- und umweltpolitisch ungeeignet. Sie warnen insbesondere vor:
- Bürokratiekosten: Für Unternehmen erwarten sie jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.
- Wettbewerbsnachteilen: Zusätzliche Belastungen könnten den Standort Deutschland schwächen.
- Höheren Verbraucherpreisen: Nach ihrer Einschätzung würden Unternehmen Kosten an Kunden weitergeben.
- Fehlenden Investitionsanreizen: Die Verbände bezweifeln, dass die Steuer nachhaltigere Verpackungen oder zusätzliche Recyclingkapazitäten fördert.
Dabei handelt es sich um die Bewertung der Unterzeichner. Falls die Regierung am Vorhaben festhält, verlangen sie ein eigenständiges Gesetzgebungsverfahren mit Folgenabschätzung, Ressort- und Verbändebeteiligung sowie regulärer parlamentarischer Beratung.
Plastiksteuer 2027: Entscheidung weiter offen
Das Handelsblatt berichtete am 3. November, Gespräche der Koalitionsfraktionen hätten zunächst keine Einigung gebracht. Vor allem die Union lehne den Entwurf ab. Die Zeitung hält einen Start 2027 deshalb für unwahrscheinlich. Diese Einschätzung ist keine endgültige Absage der Steuer; auch ein beschlossener späterer Beginn lässt sich daraus nicht ableiten. Nach dem hier geprüften Berichtsstand bleibt die Entscheidung offen.
Was Hersteller und Händler jetzt vorbereiten können
Unternehmen sollten das Gesetzgebungsverfahren verfolgen und ihre Verpackungsdaten nach Material und Masse sauber erfassen. Bei systembeteiligungspflichtigen Verpackungen werden solche Daten bereits für die Systembeteiligung und die jeweils geltenden LUCID-Meldungen benötigt. Für eine mögliche Steuer können zusätzliche Angaben oder andere Abgrenzungen erforderlich werden. Aus einer geplanten Steuer folgt außerdem nicht, dass bereits geltende Verpackungspflichten entfallen.
ECOPV-EU unterstützt Hersteller und Händler bei Verpackungsregistrierung, Mengenmeldungen und Systembeteiligung. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Quellen: BdS, 29.10.2026; dpa, 02.11.2026; Handelsblatt, 03.11.2026; EU-Kommission; Zentrale Stelle Verpackungsregister. Redaktionell geprüft am 4. November 2026.
KI-generierte Konzeptillustration zur Debatte über eine geplante Steuer; keine amtliche Unterlage.
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